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Christoph Mause 2016

Christoph Mause Arbeiten

Objekt   Malerei   Zeichnung

Carl-Peter Buschkühle

Wundersame Dramen zwischen Tier und Ding Zu den plastischen Arbeiten von Christoph Mause

Christoph  

Mause  

zeigt  

Tiere  

in  

Schwierigkeiten.  

Sie  

werden  

Akteure  

in  

einem  

künstlerischen

Geschehen,    

welches    

Alltagsgegenstände    

wie    

Kisten,    

Ketten,    

Schaufeln    

oder    

Zangen    

in

unbekannte  

Konstellationen  

versetzt.  

Die  

Tiere  

sind  

dabei  

die  

entscheidenden  

Protagonisten.

Sie  

geraten  

mit  

den  

Dingen  

in  

Konflikte,  

welche  

immer  

von  

einem  

mehr  

oder  

weniger  

schwarzen

Humor    

geprägt    

sind.    

Wie    

im    

Fall    

der

Vogelmutter,  

die  

sich  

in  

einer  

prekären  

Lage

befindet:  

Bewegt  

sie  

sich  

von  

ihrem  

Standort

auf   

einer   

ausbalancierten   

Stange   

fort   

und

auf   

ihr   

Nest   

mit   

den   

Eiern   

zu,   

gerät   

die

Konstruktion       

unweigerlich       

aus       

dem

Gleichgewicht  

und  

ihre  

Brut  

wird  

zu  

Boden

stürzen.  

Die  

Fallen  

der  

Installationen  

von  

Mause  

sind  

noch  

nicht  

zugeschnappt,  

der  

Betrachter

antizipiert,  

was  

kommen  

mag,  

es  

ist  

seine  

eigene  

Phantasie,  

die  

aus  

dem  

ruhenden  

Bild  

ein

dramatisches Geschehen werden lässt.

Die  

ungewohnten  

Begegnungen  

von  

Tier  

und  

Ding  

zünden  

jenen  

„poetischen  

Funken“,  

den  

im

19.  

Jh.  

der  

französische  

Dichter  

Lautréamont  

durch  

die  

zufällige  

Begegnung  

einer  

Nähmaschine

mit  

einem  

Regenschirm  

auf  

einem  

Operationstisch  

ausgelöst  

sah.  

Dieses  

Bild  

wurde  

zu  

einer

Inspiration    

für    

den    

Surrealismus.    

Während    

dieser    

durch    

absurde    

Verbindungen    

und

Verfremdungen  

von  

Dingen  

in  

eine  

Welt  

der  

Halluzination  

und  

des  

Traumes  

hineinführen  

wollte,

mit  

dem  

Ziel  

der  

Entgrenzung  

unseres  

beschränkten  

Verständnisses  

von  

Realität,  

haben  

Mauses

Erzählungen  

von  

Tier  

und  

Ding  

nichts  

mit  

Entführungen  

in  

traumatische  

Regionen  

zu  

tun.  

Im

Gegenteil  

vollführen  

die  

Tiere  

unfreiwillig,  

aber  

vom  

Künstler  

gewollt,  

deiktische  

Akte.  

Dies  

sind

der  

griechischen  

Tradition  

nach  

hinweisende,  

die  

Augen  

öffnende  

Gesten.  

Die  

missliche  

oder

riskante   

Lage,   

in   

die   

sich   

die   

mit   

Modelliermasse   

und   

Farbschichten   

präzise   

gestalteten

Tierfiguren  

begeben,  

zeigt  

jederzeit  

etwas  

auf,  

was  

mit  

den  

plastischen  

Qualitäten  

der  

jeweiligen

Dinge  

zu  

tun  

hat.  

Dabei  

lassen  

sich  

zwei  

Gegenstandsbezüge  

unterscheiden.  

Zum  

einen  

sind  

es

Alltagsgegenstände  

mit  

ihrer  

Funktion,  

die  

auftreten,  

zum  

anderen  

elementare  

geometrische

Formen,  

die  

z.B.  

in  

Gestalt  

von  

Drähten  

oder  

Stangen  

Linien  

in  

den  

Raum  

zeichnen.  

Christoph

Mause  

entwickelt  

auf  

diese  

Weise  

Bezüge  

zu  

zwei  

unterschiedlichen  

Erscheinungsformen  

der

modernen   

Plastik:   

der   

Objektkunst   

sowie   

der   

Minimal   

Art,   

welche   

plastische   

Kräfte   

in

elementaren geometrischen Konstruktionen anschaulich macht.

In  

jedem  

Fall  

wird  

der  

Blick  

des  

Betrachters  

nach  

dem  

ersten

Erfassen  

der  

Geschichte,  

die  

sich  

vor  

seinen  

Augen  

abspielt,

auf     

subtilere     

Bereiche     

der     

Konstellation     

gelenkt.     

Die

Begegnungen   

von   

Tieren   

und   

Dingen   

in   

Mauses   

Arbeiten

thematisieren   

genuine   

Aspekte   

der   

Plastik:   

Dynamik   

und

Spannung,  

Volumen  

und  

Proportion,  

Oberfläche  

und  

Material,

Form   

und   

Bedeutung.   

Sie   

offenbaren   

Eigenschaften   

von

Gegenständen,  

die  

wir  

an  

diesen  

oft  

übersehen.  

So  

z.B.  

bei

dem  

Objekt  

mit  

dem  

Laubfrosch,  

der  

sich  

mit  

dem  

Maul  

an

ein  

an  

der  

Wand  

hängendes  

Stück  

Papier  

klammert.  

Er  

reißt

dabei  

das  

Papier  

ein  

und  

wird  

so  

dennoch  

zu  

Boden  

fallen.

Neben  

dem  

kleinen  

Drama,  

was  

sich  

da  

gerade  

abspielt,  

verweist  

dieses  

Objekt  

auf  

formale

Qualitäten:  

auf  

das  

Gewicht  

des  

doch  

scheinbar  

so

leichten   

Frosches,   

welches   

die   

weiße,   

rechteckige

Flächenform  

des  

Papierbogens  

biegt  

und  

reißt.  

Die

so  

erzeugte,  

im  

Werk  

stillgestellte  

Bewegung  

führen

die    

Betrachter    

in    

ihrer    

Imagination    

zuende.    

In

anderen  

Fällen  

werden  

die  

gewohnten  

Funktionen

von   

Dingen   

umgedeutet   

und   

erhalten   

in   

ihrem

Bezug   

zum   

Tier   

einen   

neuen,   

meist   

bedrohlichen

Sinn.  

So  

bei  

dem  

kleinen  

Fisch,  

der  

  

vor  

seinen  

Verfolgern  

flieht  

–  

drei  

Zangen  

sind  

hinter  

ihm

her mit weit aufgerissenem Maul.

In  

ihren  

Begegnungen  

in  

den  

plastischen  

Werken  

von  

Christoph  

Mause  

werden  

die  

Tiere  

und

die  

Dinge  

fremd.  

Aber  

erst  

in  

dieser  

Verfremdung  

offenbaren  

sie  

übersehene  

und  

denkbare

Eigenschaften.  

Die  

Abenteuer,  

in  

die  

Mause  

Tiere  

und  

Gegenstände  

verstrickt,  

sind  

auf  

diese

Weise   

zugleich   

Lektionen,   

die   

von   

verborgenen   

ästhetischen   

Qualitäten   

und   

poetischen

Potentialen berichten, die in unserer Alltagswelt vorhanden sind.

Man muss sie nur sehen können

.

plier 2012
Kohlmeise  2013
Einfach schwimmen …   2012

Das  

Hauptthema  

ist  

die  

Ausarbeitung  

von  

Tierobjekten.  

Die  

naturgetreu  

modellierten  

Tiere

gehen   

auf   

fabelhafte   

Reisen.   

Auf   

plastische   

Weise   

werden   

sie   

in   

unmögliche   

Situationen

gebracht.  

Die  

Objekte  

haben  

oft  

einen  

erzählenden  

Charakter.  

Dabei  

zeigen  

die  

oberflächlich

leicht   

zu   

entschlüsselnden   

Arbeiten   

tiefer   

liegende   

Schichten   

tierischen   

und   

menschlichen

Daseins   

auf   

und   

wollen   

so   

zum   

Nachdenken   

auffordern.   

Die   

wie   

eingefroren   

wirkenden

Handlungssituationen  

folgen  

dabei  

nicht  

zwangsläufig  

den  

Gesetzen  

der  

Logik.  

Wie  

eine  

visuelle

Fabel möchten die Objekte den Betrachter in ihren Bann ziehen.

Im  

Gegensatz  

zu  

den  

plastischen  

Arbeiten  

ist  

die  

Malerei  

abstrakt.  

Farben  

und  

Formen  

geben

keine   

Interpretation   

im   

klassischen   

Sinne   

vor.   

Beim   

Betrachten   

finden   

sich   

jedoch   

häufig

Assoziationen einer Landschaft oder naturnaher Phänomene

.

Küken  2015
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Christoph Mause 2016

Christoph Mause

Arbeiten

Objekt   Malerei   Zeichnung

Carl-Peter Buschkühle

Wundersame Dramen zwischen Tier und Ding Zu den plastischen Arbeiten von Christoph Mause
Christoph   Mause   zeigt   Tiere   in   Schwierigkeiten. Sie   werden   Akteure   in   einem   künstlerischen   Ge- schehen,   welches   Alltagsgegenstände   wie   Kisten, Ketten,    Schaufeln    oder    Zangen    in    unbekannte Konstellationen   versetzt.   Die   Tiere   sind   dabei   die entscheidenden    Protagonisten.    Sie    geraten    mit den    Dingen    in    Konflikte,    welche    immer    von einem    mehr    oder    weniger    schwarzen    Humor geprägt    sind.    Wie    im    Fall    der    Vogelmutter,    die sich   in   einer   prekären   Lage   befindet:   Bewegt   sie sich    von    ihrem    Standort    auf    einer    ausbalan- cierten   Stange   fort   und   auf   ihr   Nest   mit   den   Eiern zu,   gerät   die   Konstruktion   unweigerlich   aus   dem Gleichgewicht     und     ihre     Brut     wird     zu     Boden stürzen.   Die   Fallen   der   Installationen   von   Mause sind    noch    nicht    zugeschnappt,    der    Betrachter antizipiert,   was   kommen   mag,   es   ist   seine   eigene Phantasie,     die     aus     dem     ruhenden     Bild     ein dramatisches Geschehen werden lässt. Die    ungewohnten    Begegnungen    von    Tier    und Ding   zünden   jenen   „poetischen   Funken“,   den   im 19.    Jh.    der    französische    Dichter    Lautréamont durch     die     zufällige     Begegnung     einer     Näh- maschine    mit    einem    Regenschirm    auf    einem Operationstisch   ausgelöst   sah.   Dieses   Bild   wurde zu     einer     Inspiration     für     den     Surrealismus. Während    dieser    durch    absurde    Verbindungen und   Verfremdungen   von   Dingen   in   eine   Welt   der Halluzination     und     des     Traumes     hineinführen wollte,    mit    dem    Ziel    der    Entgrenzung    unseres beschränkten   Verständnisses   von   Realität,   haben Mauses    Erzählungen    von    Tier    und    Ding    nichts mit   Entführungen   in   traumatische   Regionen   zu tun.   Im   Gegenteil   vollführen   die   Tiere   unfreiwillig, aber   vom   Künstler   gewollt,   deiktische   Akte.   Dies sind      der      griechischen      Tradition      nach      hin- weisende,   die   Augen   öffnende   Gesten.   Die   miss- liche    oder    riskante    Lage,    in    die    sich    die    mit Modelliermasse    und    Farbschichten    präzise    ge- stalteten     Tierfiguren     begeben,     zeigt     jederzeit etwas    auf,    was    mit    den    plastischen    Qualitäten der   jeweiligen   Dinge   zu   tun   hat.   Dabei   lassen   sich zwei     Gegenstandsbezüge     unterscheiden.     Zum einen     sind     es     Alltagsgegenstände     mit     ihrer Funktion,   die   auftreten,   zum   anderen   elementare geometrische    Formen,    die    z.B.    in    Gestalt    von Drähten     oder     Stangen     Linien     in     den     Raum zeichnen.   Christoph   Mause   entwickelt   auf   diese Weise     Bezüge     zu     zwei     unterschiedlichen     Er- scheinungsformen    der    modernen    Plastik:    der Objektkunst     sowie     der     Minimal     Art,     welche plastische   Kräfte   in   elementaren   geometrischen Konstruktionen anschaulich macht. In   jedem   Fall   wird   der   Blick   des   Betrachters   nach dem   ersten   Erfassen   der   Geschichte,   die   sich   vor seinen   Augen   abspielt,   auf   subtilere   Bereiche   der Konstellation     gelenkt.     Die     Begegnungen     von Tieren    und    Dingen    in    Mauses    Arbeiten    the- matisieren   genuine   Aspekte   der   Plastik:   Dynamik und      Spannung,      Volumen      und      Proportion, Oberfläche   und   Material,   Form   und   Bedeutung. Sie   offenbaren   Eigenschaften   von   Gegenständen, die   wir   an   diesen   oft   übersehen.   So   z.B.   bei   dem Objekt    mit    dem    Laubfrosch,    der    sich    mit    dem Maul    an    ein    an    der    Wand    hängendes    Stück Papier   klammert.   Er   reißt   dabei   das   Papier   ein und    wird    so    dennoch    zu    Boden    fallen.    Neben dem   kleinen   Drama,   was   sich   da   gerade   abspielt, verweist    dieses    Objekt    auf    formale    Qualitäten: auf   das   Gewicht   des   doch   scheinbar   so   leichten Frosches,    welches    die    weiße,    rechteckige    Flä- chenform   des   Papierbogens   biegt   und   reißt.   Die so    erzeugte,    im    Werk    stillgestellte    Bewegung führen    die    Betrachter    in    ihrer    Imagination    zu- ende.   In   anderen   Fällen   werden   die   gewohnten Funktionen    von    Dingen    umgedeutet    und    er- halten    in    ihrem    Bezug    zum    Tier    einen    neuen, meist    bedrohlichen    Sinn.    So    bei    dem    kleinen Fisch,   der      vor   seinen   Verfolgern   flieht   –   drei   Zan- gen   sind   hinter   ihm   her   mit   weit   aufgerissenem Maul.   In   ihren   Begegnungen   in   den   plastischen Werken   von   Christoph   Mause   werden   die   Tiere und     die     Dinge     fremd.     Aber     erst     in     dieser Verfremdung    offenbaren    sie    übersehene    und denkbare    Eigenschaften.    Die    Abenteuer,    in    die Mause    Tiere    und    Gegenstände    verstrickt,    sind auf    diese    Weise    zugleich    Lektionen,    die    von verborgenen    ästhetischen    Qualitäten    und    po- etischen    Potentialen    berichten,    die    in    unserer Alltagswelt vorhanden sind. Man muss sie nur sehen können.
Kohlmeise  2013
plier 2012
Einfach schwimmen …   2012
Das     Hauptthema     ist     die     Ausarbeitung     von Tierobjekten.   Die   naturgetreu   modellierten   Tiere gehen   auf   fabelhafte   Reisen.   Auf   plastische   Weise werden   sie   in   unmögliche   Situationen   gebracht. Die      Objekte      haben      oft      einen      erzählenden Charakter.   Dabei   zeigen   die   oberflächlich   leicht zu     entschlüsselnden     Arbeiten     tiefer     liegende Schichten    tierischen    und    menschlichen    Daseins auf   und   wollen   so   zum   Nachdenken   auffordern. Die      wie      eingefroren      wirkenden      Handlungs- situationen   folgen   dabei   nicht   zwangsläufig   den Gesetzen     der     Logik.     Wie     eine     visuelle     Fabel möchten    die    Objekte    den    Betrachter    in    ihren Bann    ziehen.    Im    Gegensatz    zu    den    plastischen Arbeiten    ist    die    Malerei    abstrakt.    Farben    und Formen     geben     keine     Interpretation     im     klas- sischen   Sinne   vor.   Beim   Betrachten   finden   sich jedoch    häufig    Assoziationen    einer    Landschaft oder naturnaher Phänomene.
Küken  2015
Christoph Mause
Christoph Mause